Kinder, die sexuelle Gewalt erfahren haben, sind psychisch stark durch Scham, Schuld, Gefühle der Wertlosigkeit und Ängste belastet. Laut MIKADO Studie ist Scham die häufigste Offenbarungsbarriere. Gerade mal 1% aller Fälle wird Ermittlungsbehörden oder Jugendämtern bekannt. Jene Kinder, die allen Mut zusammengenommen haben, um sich anzuvertrauen, werden im Laufe der Ermittlungen bis zu neun Mal befragt. Immer wieder müssen sie ihre Geschichte neu erzählen und erleben dabei jedes Mal eine Retraumatisierung. Der Beirat des UBSKM beschreibt die bestehende Praxis der Hilfsangebote und strafrechtlichen Fallbearbeitung bei sexuellem Missbrauch von Kindern im Positionspapier „Hilfsangebote und strafrechtliche Fallbearbeitung bei sexuellem Missbrauch – vom Kind her Denken und Organisieren und dabei entwicklungsspezifische Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen“.

Dabei stellt sich die Frage, inwiefern das System in Deutschland „vom Kind her“ gedacht und organisiert ist, und ob es entwicklungsspezifische Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt.

Der Beirat sieht im skandinavischen Barnahus-Modell zahlreiche Anregungen für Verbesserungen im Umgang mit betroffenen Kindern und ihren Familien:

 

„Durch unterschiedliche Berufsgruppen soll in einem „Barnahus“ unter einem Dach interdisziplinär medizinische Versorgung, soziale Unterstützung/ Jugendhilfe, Polizei/ Gerichtsbarkeit und Psychotherapie bzw. psychosoziale Beratung und Behandlung erfolgen. Der zentrale Ansatz ist die kindzentrierte Arbeit in einer kinderfreundlichen Umgebung.“