Richterfortbildung am Schloss Machern 11.-15. Juni 2018

Vom 11. – 15. Juni 2018 fand am Schloss Machern eine Fortbildung für Richter*Innen zum Thema “Videovernehmung (sexuell) missbrauchter Kinder” statt. An der mehrtägigen Veranstaltung des Amtsgerichts Leipzig nahmen eine Vielzahl von verschiedenen Experten teil, um möglichst mehrperspektivische Erfahrungsberichte zusammenzuführen zu können.
Auch über das Childhood-Haus wurde gesprochen.

 

Ein persönlicher Bericht von Andrea Möhringer, Geschäftsführerin Childhood Deutschland:

„Kinderschutz gehört grundsätzlich in den Verantwortungsbereich aller Institutionen und Fachpersonen, die beruflich mit Kindern zu tun haben.“ Das ist ein wichtiger Satz. Er steht in den „Handlungsrichtlinien bei Verdacht auf körperliche Misshandlung, sexuellen Missbrauch, bedrohliche Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen” des Universitätsklinikums Leipzig.

Was die Umsetzung einer solchen Aussage und die Rolle eines Childhood-Hauses für die Praxis von Medizinern, Psychologen, Mitarbeitern der Freien Träger, der Polizei und der Justiz wirklich bedeutet, davon konnte ich mir vergangene Woche auf einer Fachtagung des Amtsgerichtes Leipzig ein Bild machen.

Ich saß mit interessierten und motivierten Vertretern und Vertreterinnen der Gerichte, der Universitätsklinik, der Polizei, des Jugendamtes sowie mit Fach- und Staatsanwälten zusammen. Selbst aus Italien war eine Richterin angereist, um über ihre Fachpraxis zu berichten.

Die Beiträge aus den verschiedenen Disziplinen sprechen von der großen Komplexität des Kinderschutzes. Da ging es um medizinische Befunde aus der Kinder- und Jugendklinik, die Entstehung und Behandlung von Trauma, um die Arbeit der Rechtsmedizin, der Opferanwälte oder etwa des Opferschutzes ebenso wie um den fachlichen Alltag der Richterinnen und Richter.

Eines ist klar: Jede beteiligte Fachrichtung hat ein in sich strukturiertes Vorgehensschema und eine eigene Fachsprache wenn es darum geht, Gewalt und Missbrauch an Kindern festzustellen, zu behandeln und rechtlich zu verfolgen. Und nicht jede Frage zur Koordination und vor allem auch zur Finanzierung einer integrierten Lösung wie sie im Childhood-Haus angestrebt wird, konnte gleich beantwortet werden. Aber es hat sich auch gezeigt: In dem Moment, in dem die verschiedenen Disziplinen über ihre Arbeit sprechen, ihre Herausforderungen und Probleme schildern, mit den anderen „Fachpersonen“ ins Gespräch kommen, wird klar, dass ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen gelingen kann, dass der Austausch mit anderen entlasten und zu insgesamt besseren, weil qualifizierteren Entscheidungen im Sinne des Kindes und ggf. im Hinblick auf ein gerechtes Strafverfahren führen kann.

Die Veranstaltung hat meine Vorfreude auf das bald eröffnete Childhood-Haus noch mehr wachsen lassen.
Bei allen Beteiligten!