Dieser Projektbericht schließt an, an den Bericht vom 08.03.2018 über eine pädosexuelle Szene in Berlin.
Den Bericht lesen Sie hier.

Das Fallbeispiel zeigt deutlich, wie wichtig die Förderung durch Stiftungen wie die World Childhood Foundation ist, wenn die Hilfen der Jugendämter aussetzen.”²

*Alle Personenbezogenen Daten wurden zum Schutz der Privatsphäre leicht verändert*

 

Nennen wir den (mittlerweile) jungen Mann, um den es in diesem Bericht geht, Florian*. Auf einem Platz vor einem Supermarkt traf unser Berliner Projekt das erste Mal auf ihn. Damals war er 9 Jahre alt. Seine Mutter hatte von dem neuen Projekt gehört und bat um Hilfe für ihren Sohn.

Florian war in eine pädosexuelle Szene geraten. Angefangen hatte alles ganz harmlos: Ein Schulfreund hatte Florian von dem “Jugendclub” erzählt, in dem es Zigaretten, Alkohol und PC Spiele gab. Florian erzählte den Projektmitarbeitern, dass er anfänglich eigentlich gern hingegangen war. Man hatte Spaß und die anwesenden älteren Männer waren nett. Wechselnde männliche Besucher nahmen immer wieder einige der Jungen mit. Es kam zu sexuellen Übergriffen.

Auch Pascal geriet an einen Mann, der sich als väterliche Freund ausgab. Er versuchte, den Jungen mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten, vielen Gesprächen, gespielter Fürsorge und intensivem Kontakt zu Florians Mutter immer stärker zu kontrollieren. Die Sehnsucht des Jungen nach einer Vaterfigur erkannte der Mann schnell und versprach Florian, seine Mutter zu heiraten und die Rolle des Vaters einzunehmen – wenn der Junge mit ihm dafür schlafen würde. Der Mann baute Druck auf. Schlussendlich verging er sich an dem Jungen.

Die Übergriffe hörten auf, als Florian merkte, dass der Mann kein Interesse an der Mutter entwickelte. Florians Mutter konnte ihm zu dem Zeitpunkt aufgrund ihrer eigenen psychischen Erkrankung nicht wirklich unterstützen. Sie hatte zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Suizidversuche begangen. Sie suchte den Erstkontakt mit dem Berliner Projekt.

Florian wurde ab diesem Zeitpunkt engmaschig betreut. Projektmitarbeiter*innen gingen in seine Schule, um seine Situation dort (Mobbing durch Mitschüler*innen) zu verbessern und halfen ihm dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Es zeigte sich, dass Florian eine geistig-emotionale Einschränkung hatte – bedingt durch den Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft. Den Umgang mit seinen Gefühlen lernte er in der Therapie: Auch die Wut auf den Täter musste Florian erst lernen. Gemeinsam wurde erstmals auch über Zukunftsperspektiven gesprochen.

Mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres wurden die Hilfen des Jugendamtes dann aber gekürzt.
Florian war dort auf dem Stand eines 11 jährigen. Die Unterstützung durch das Projekt war dringend nötig.

Wir konnten die Arbeit mit Florian* damals nur fortsetzen, weil wir die Unterstützung der World Childhood Foundation bekamen.”²

Die dadurch ermöglichte Betreuung durch das Projekt beeinflusste das Leben von Florian maßgeblich:
Mittlerweile wohnt Florian in einer eigenen, sehr aufgeräumten und gemütlichen Wohnung, hat einen Job, ist Teil eines stabilen Freundeskreises und hat Distanz zu seiner Vergangenheit (und auch seiner Mutter) gefunden.

Gerade ist er auf der Suche nach einer Lebenspartnerin – aber da muss er allein durch!”²

Auch wenn das Projekt Florian nicht mehr betreut, stehen die Mitarbeiter*innen und er in Kontakt. Er meldet sich immer mal wieder und man redet über das Erlebte. Dieser bleibende enge Kontakt gibt Florian noch heute Sicherheit. Er hat dem Projekt erzählt, dass er in den männlichen Mitarbeitern immer den Vater gesehen hat, den er nie hatte. Auch die Enttäuschung, über die abgebrochene Hilfe durch das Jugendamt kommt immer wieder zur Sprache.

 

² Zitate des Berliner Projektes, von dem Florian betreut wurde und das Childhood seit einigen Jahren fördert.