Interview mit der Initiatorin von Deutschlands erster Ringvorlesung zum Thema kinderfreundliche Justiz.

 

Zum Abschluss der Ringvorlesung “Kinderfreundliche Justiz” möchten wir noch eine Frau vorstellen, die uns erst auf die Idee zur Veranstaltung gebracht hat. Liebe Maria, stell dich kurz einmal vor!
Ja, hallo! Ich heiße Maria Khabi, bin 22 Jahre alt und studiere im 4. Semester Jura an der Universität Leipzig.

Wir stehen hier in einem der Vorlesungsräume der Uni, in dem Deutschlands erste Ringvorlesung zum Thema Kinderfreundliche Justiz in den letzten Wochen stattgefunden hat. Alles hat aber angefangen mit einer Mail von dir an Childhood. Erzähl mal!
Ja, genau, ich war letztes Jahr im September auf dem 72. Juristentag in Leipzig und habe mir dort die Schlussveranstaltung „Kinder im Recht?“ angehört. Dort hat I.M. Königen Silvia von Schweden eine bewegende Rede gehalten, die mir persönlich sehr nah ging. Unter anderem ging es um das neu eröffnete Childhood-Haus in Leipzig, und wie sie auf die Idee kam diese Institution erstmals in Schweden ins Leben zu rufen. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion. Im weiteren Verlauf habe ich zum ersten Mal Kenntnis von der World Childhood Foundation genommen.

Da mir das Thema, wie man eine kindgerechte Justiz erreichen kann, sehr am Herzen liegt und es auch der Grund war, weshalb ich angefangen habe, Jura zu studieren, schrieb ich eine Mail in der Hoffnung, dass ich auch schon vor der Vollendung meines Studiums irgendwas bewegen kann, um die Justiz gegenüber Kindern kindgerechter zu gestalten und selber natürlich mehr darüber zu lernen. Ich habe mich dann mit Andrea Möhringer, der Geschäftsführerin von Childhood Deutschland, getroffen. Bei diesem Treffen entstand die Idee, kindgerechte Justiz schon während der Ausbildung zu thematisieren – in Form einer Ringvorlesung.

Aber warum ist genau das Thema so wichtig für dich?
Das hat einerseits sehr persönliche Gründe, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte. Andererseits ist der Schutz von Kindern ein wichtiges internationales Anliegen, was zum einen in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes zum Ausdruck kommt sowie auch im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 12. März 2018. Und was meiner Meinung nach auch wichtig ist, dass das Thema unbedingt einen Platz in der Ausbildung angehender Juristen braucht.

Du hast die Ringvorlesung in den letzten Wochen besucht. Wie genau war die Ringvorlesung aufgebaut?
Wie bekannt, geht es in der Ringvorlesung um kindgerechte Justiz. Dabei wurde jede Woche von einem fachmännischen Redner ein neuer Themenbereich vorgestellt, wie z.B Kinderschutz in der Medizin, die psychologische Sichtweise, die Videovernehmung im Strafprozess und die praktische Anwendung der StPO aus der Perspektive einer Anwältin und eines Strafverteidigers. Natürlich ist auch die klassische Fallbearbeitung und das Arbeiten an den jeweils einschlägigen Normen nicht zu kurz gekommen. Hier hatten Studierende die Möglichkeit ihre bereits vorhandenen Kenntnisse auf ein anderes Rechtsgebiet anzuwenden.

Insgesamt bietet die Vorlesung einen intensiven Einblick in das interdisziplinäre Arbeiten aus unterschiedlichen Perspektiven, die alle durch das Thema kindgerechte Justiz unmittelbar miteinander verbunden sind.

Welche Vorlesungen haben dich besonders beeindruckt?
Schwierig, weil ja alle sehr unterschiedlich waren und jede einzelne so wichtig für sich ist. Ich fand die Vorlesung zur „Videovernehmung und Opferschutz“ und die Vorlesung „Opferschutz versus Beschuldigtenrechte“ sehr interessant, weil sie sehr praxisrelevant waren und für mich nochmal hervorgehoben haben, dass ich mich mit dem Studium auf dem richtigen Weg befinde. Von dem rein wissenschaftlichen Aspekt her, hat mir die Vorlesung „Schutz von Kindern vor Missbrauch und Sexueller Belästigung im Internet“ besonders gefallen, da hat Prof. Dr. Hendrik Schneider die Komplexität der StGB-Normen in einer beeindruckenden Weise dargestellt.

Das war die erste Ringvorlesung dieser Art an einer deutschen Universität. Viele weitere sollen folgen.
Was denkst du, können Studierende aus einer solche Veranstaltung mitnehmen?
Auf jeden Fall können sie erst mal ein Bewusstsein für das Thema zu entwickeln. Ferner kann ich mir auch vorstellen, dass sich einige in ihrer zukünftigen Berufskarriere mit dem Thema vermehrt auseinandersetzen. Natürlich sollte dabei ein generelles Interesse für das Strafrecht bestehen. Anders als das klassisch gelehrte Strafrecht und den damit verbundenen Definitionen und Meinungsstreits, ist die Ringvorlesung sehr lebensnah und gibt einem die Möglichkeit, eigene Gedankenstränge zu entwickeln.

Du hast noch ein wenig Studium vor dir. Aber eine Frage wollen wir trotzdem stellen:
Wirst du beruflich auch in diese Richtung gehen wollen?
Ja, auf jeden Fall. Wie genau das aussehen wird, weiß ich noch nicht. Vielleicht Opferanwältin im Strafrecht oder Richterin. Das hängt natürlich auch sehr davon ab, wie ich im Staatsexamen abschneiden werde.

Dabei wünschen wir dir ganz viel Glück!