Versorgungslage von traumatisierten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

 

Was passiert eigentlich mit den Kindern, die in unser Land kommen und im Gepäck ein Traumata haben? Bilder eines oder mehrerer schlimmer Erlebnisse, die sich in ihr Gedächtnis gebrannt haben und sie belasten.

Kinder, die aus Kriegsgebieten oder Regionen humanitärer Krisen kommen, haben häufig traumatische Erlebnisse machen müssen, in denen sie z.B. Gewalt mit ansehen oder sogar selbst erleben mussten. Wenn diese Kinder dann auch noch ohne Familie nach Deutschland kommen, fehlt es häufig auch noch an Halt, Sicherheit und Geborgenheit. Wie jedes andere traumatisierte Kind benötigen sie eine psychologische Betreuung, die sie bei der Verarbeitung des Traumas unterstützt und emotional festigt.

Eine kürzlich veröffentlichte Fokusstudie der nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN) hat die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland näher beleuchtet. Unter anderem wurde die Versorgungslage im Bereich Gesundheit untersucht, in die auch die psychologische Betreuung bei Traumata fällt.

“Es ist […] davon auszugehen, dass viele unbegleitete Minderjährige die in Deutschland Schutz suchen im besonderen Maße von seelischer Traumatisierung betroffen sein können.” (S.42, Fokusstudie)

Die Studie hält die derzeitige Versorgungslage für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Bereich Trauma für problematisch, da es einen Mandel an Kinder- und Jugendpsychologinnen und -Psychologen in diesem Berufsfeld gibt.

“Gerade bezüglich der Angebote von Traumapatientinnen und -Patienten schätzen einige Bundesländer und Verbände die Versorgungssituation als unzureichend ein. Vor allem mangelnde psychosoziale Versorgung und/oder Therapieängste in eher ländlichen Gebieten und die unzureichende Verfügbarkeit bzw. Finanzierbarkeit von Verdolmetschung würden hierzu beitragen. Die Bedarfe dürften in Zukunft steigen” (S.43, Fokusstudie)

Aus diesem Grund fördert Childhood bereits seit einigen Jahren Projekte, die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bei der Verarbeitung und Bewältigung ihres Traumas helfen, um langfristig ein beschwerdefreies Leben führen zu können und zu selbst bestimmten und angstfreien Erwachsenen heranwachsen zu können.

Eines unserer geförderten Projekte hat kürzlich ein niedrigschwelliges Betreuungsangebot erarbeitet, bei dem die Kinder bei regelmäßigen Gruppentreffen gemeinsam an der Verarbeitung des Erlebten arbeiten können. Teilnehmende Kinder zeigen nach einer Reihe Treffen eine messbare Minderung des emotionalen Stresses.
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