Voluntourismus oder wenn Kinder zur Attraktion werden
Vorab möchten wir sagen, dass wir mit diesen Äußerungen denjenigen, die aus altruistischen Gründen in ihrem Auslandsurlaub Projekte mit Kindern unterstützen möchten, nichts vorwerfen möchten – wir aber im Folgenden unsere ein paar Denkanregungen geben möchten, um unsere Haltung zum Voluntourismus (Freiwilligenurlaub) deutlich zu machen:

 

Warum Childhood Touristenbesuche in Schulen/Waisenhäusern ablehnt

  • Müssen Touristen wirklich Waisenhäuser und Schulen besuchen? Würden wir wollen, dass ausländische Touristen in Deutschland Schulen und Kinderheime besuchen?  Unsere Meinung: Kinder müssen sich frei entfalten und in einem geschützten Umfeld aufwachsen dürfen.

 

  • Viele der Kinder, die in Waisenhäusern leben – bis zu 80% nach Berechnungen unserer Partnerorganisationen Child Safe Movements – sind gar keine Waisen. Sie haben mindestens ein Elternteil oder einen anderen nahen Verwandten, bei dem sie hätten leben können. Sie lassen die Kinder aber im Waisenhaus leben, da ihnen aus finanziellen Gründen keine andere Wahl bleibt. In vielen Fällen sind diese Kinderheime ein Geschäft, bei dem jemand im Hintergrund viel Geld verdient. Die Zahl der Waisenhäuser ist in dichbesidelten Touristenregionen besonders hoch. Touristen wird dabei etwas suggeriert, das nicht der der Wahrheit entspricht und sie unterstützen mit ihren Spenden ein System auf dem Rücken der Kinder. Unsere Meinung: Anstatt aus Waisenhäusern ein profitables Geschäft zu machen, sollten mit den finanziellen Mitteln lieber Herkunftsfamilien gestärkt oder geeignete Pflegefamilien gesucht werden.

 

  • Kinder, die in Institutionen groß werden, z.B. in Waisenhäusern, sind einer größeren Gefahr ausgesetzt, Gewalt oder sexuellen Missbrauch zu erleben. Sie haben normalerweise keine festen erwachsene nBezugspersonen in ihrer Nähe, die sie schützen oder stärken könnten.Wussten Sie, dass Touristen in manchen dieser Waisenhäuser Kinder auf Tagesausflüge mitnehmen können? Das Kind wird fremden Erwachsenen mitgegeben, die weder dessen Sprache sprechen noch in irgendeiner Form kontrolliert werden. Unsere Meinung: Jedes Kind muss das Recht haben in einem geschützten Rahmen groß zu werden. Würden Sie ihr Kind einem fremden Erwachsenen mitgeben?

 

Verstehen Sie uns nicht falsch: Natürlich ist es wichtig zu helfen. Viele Projekte und auch Waisenhäuser leben von Spenden – hierfür braucht es aber keine Besuche bei denen Kinder zu sehen sind oder bei denen sie mit ihnen in Kontakt kommen. Unser Tipp: Unterstützen Sie lokale Projekte, die sich dafür einsetzen, Familien zusammenzuhalten oder die Kinder in Pflegefamilien unterzubringen. Weitere Informationen finden Sie dazu auf ChildSafe-sa.org.

 

Warum Childhood Voluntourimus ablehnt?
Vorab: Nicht jeder Fall von Voluntourismus ist grundsätzlich schlecht. Es ist aber die Masse der einzelnen Freiwilligen, die für die Kinder problematisch wird. Es gibt Waisenhäuser, die jedes Jahr Hunderte und Hunderte von Freiwilligen aufnehmen. Was bedeutet es für die Kinder, die keine Eltern in ihrer Nähe haben und nichts lieber wollen als die Aufmerksamkeit und Zuneigung von Erwachsenen zu bekommen, wenn sie wiederholt von denen “verlassen” werden, mit denen sie eine Beziehung aufbauen? “Besser als nichts” – wollen wir es so? Wir würden es für völlig inakzeptabel halten, wenn wir in Deutschland in der Form über Kinderbetreuung sprechen würden. Was wir uns also fragen müssen: Warum akzeptieren wir Regelungen bei Kindern aus Kambodscha, die wir für Kinder in Deutschland ablehnen würden. Wir bei Childhood denken, dass es besser ist, die lokale Bevölkerung zu unterstützen, damit sie sich um die Kinder kümmern kann und es nicht Menschen von außen braucht, die die Kinder nach ein paar Wochen oder Monaten wieder verlassen.

 

Wie Childhood aktiv wird:
Wir unterstützen entweder Organisationen, die ganze Familien unterstützen oder Projekte, die Familienwohnungen unterhalten für die Kinder, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben oder leben können. Die Kinder werden von geschultem Erwachsenen betreut und wachsen in einem geschützten Raum mit anderen Kindern auf. Childhood ist zudem auch Teil von größeren Netzwerken, um eine Veränderung in allen Ländern/Regionen voranzutreiben. Projekte, in denen Touristenbesuche möglich sind, unterstützen wir nicht.